„Wer dich gesehn, lernt lachen;
Du bist so freudenreich,
Du labst das Herz der Schwachen
Und machst den Armen reich,
Du spiegelst hohe Schlösser,
Und füllest große Fässer
Mit edlem Wein.“

Clemens Brentano (1778- 1842) über den Rhein

 

Unsere Freunde Manfred und Gaby wohnen im Weltkulturerbe Mittelrhein, auf der linken Rheinseite oberhalb von Oberwesel. Ein Besuch war längst wieder fällig – bislang hatten wir für diese Ausflüge das Auto bestiegen, doch nun war die Zeit reif, etwas Neues auszuprobieren. Die Fahrt mit Bus und Bahn dauert unterm Strich über 3 Stunden. Doch wie entspannt geht es dabei zu!

Unser Ziel war Kaub, wo wir die Fähre besteigen wollten. Das Seniorenticket gilt allerdings nur bis Lorchhausen, Kaub liegt bereits in Rheinland-Pfalz. Das Ticket für die zusätzlichen Bahnkilometer kauften wir online bei bahn.de (7,20 Euro Hin und Zurück für 2 Personen). Doch was macht der Senior ohne Internet-Zugang (soll es ja auch geben …) ? Der nette Schaffner erklärte uns die Tarifbestimmungen: wer über den Geltungsbereich des Seniorentickets hinaus weiterfahren wolle müsse eine Fahrkarte haben, also ggf. in Lorchhausen aussteigen und den Automaten suchen. Und dann vermutlich eine Stunde auf den nächsten Zug warten … Das sei natürlich nicht kundenfreundlich, meinte der Schaffner. Er würde deshalb in solch einem Fall die Karte im Zug verkaufen, was aber streng genommen nicht korrekt sei. Wir drücken ihm die Daumen, dass ihn seine Chefs für diese Haltung belobigen!

 

 
Der Bahnhof von Kaub zeigt, wie sehr das Weltkulturerbe der Bahn am Herzen liegt: es ist der Bahn sowas von egal. An einer der schönsten Bahnstrecken in Deutschland reiht sich ein mit Graffiti beschmierter Sanierungsfall  an den nächsten. Vor 100 Jahren waren diese Bahngebäude einmal Aushängeschilder der Region, heute will sie die Bahn offenbar möglichst schnell loswerden.


In Kaub fällt wenige Schritte hinter dem Bahnhof ein weiteres Beispiel für hemdsärmeligen Umgang mit historischen Gebäuden ins Auge: Bis 1970 war Kaub ein Zentrum des Schieferabbaus. Direkt hinter den Bahnstrecke lagen die Stollenöffnungen, in den Gebäuden davor wurde das Material verarbeitet. Leider kamen die Verantwortlichen nicht auf die Idee, dieses Industriedenkmal zu erhalten – es wäre heute eine touristische Attraktion erster Ordnung. Nun rotten die Gebäude mit ihren toten Fensterhöhlen vor sich hin.

 
Auf der anderen Rheinseite angekommen führten uns unsere Freunde zu zwei spektakulären Aussichtspunkten: der Pfalzblick gegenüber von Kaub und das Filmhaus (Günderodehaus) bei Oberwesel. Beide Stellen sind von der Fähre aus zu Fuß erreichbar (na gut, bis zum Filmhaus ist es ein ganzes Ende).

 
Das Filmhaus war ursprünglich eine Filmkulisse, die für die Dreharbeiten an der Filmreihe „Heimat 3“ hier aufgebaut und dann zum Glück nicht wie geplant wieder abgebaut wurde. Seit 2005 ist das Haus ein Kulturzentrum mit regionaler Gastronomie an einem fantastischen Ort. Jetzt im Januar war alles geschlossen, die Saison beginnt erst Ende Februar. https://www.guenderodefilmhaus.de/

Am nächsten Tag machten wir vor unserer Rückreise einen kulinarischen Abstecher in den Taunus. Oberhalb von Kaub liegt am Rheinsteig der kleine Ort Dörscheid. Und dort erwartet den Wanderer (oder Autofahrer) ein gastronomisches Highlight: Das Loreleyhotel FETZ (früher „Landgasthaus Blücher“). https://fetz-hotel.de/

 

Küchenchef Marcus Fetz und seine Mannschaft bringen vor allem Regionales auf den Tisch, wobei hervorragend zubereitetes Wild aus den Wäldern der Umgebung breiten Raum einnimmt. Das hat ihnen einen verdienten Eintrag im Slowfood Genussführer eingebracht. Wir waren auch diesmal wieder sehr glücklich mit der exzellenten Wildsuppe, einem superzarten Rehrücken und einem Wildschwein-Braten wie aus dem Bilderbuch. Und der Nachtisch – ein Gedicht!

     
Das Loreleyhotel FETZ ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem Rheinsteig mit spektakulären Ausblicken. Vom Frühjahr bis in den Herbst grandios – aber auch im Winter reizvoll.

Unsere Rückfahrt verlief entspannt, allerdings letztlich doch etwas anders als geplant: eigentlich wollten wir die Reise nach Hause mit dem Bus beenden, was jedoch mit längeren Wartzeiten in Frankfurt und Butzbach verbunden gewesen wäre. Wir entschieden uns dann doch für eine Taxi für die letzten Kilometer. Offenbar müssen wir bei der Suche nach optimalen Wegstrecken noch etwas dazulernen …

Rehrücken im Weltkulturerbe

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